Terrapene carolina major (AGASSIZ, 1857)
Die Riesen-Dosenschildkröte ist die größte
und
aquatilste Terrapene-Art.
Beschreibung:
Der Carapax ist hochgewölbt, dunkelbraun bis schwarz, mit
wenigen, oftmals gar keinen Zeichnungen, die durch braune und dunkle
Pigmente verwaschen wirken und erreicht eine Länge von 12,7 bis 19
cm. Das größte je gefundene Exemplar maß 21,5 cm.
Die Randschilde sind insbesondere bei älteren Tieren oft nach
außen verbreitert und aufgebogen. Man findet strahlenförmige
und aus gelben Flecken bestehende Zeichnungsmuster. Ein schwach
ausgeprägter Mittelkiel ist mitunter vorhanden.
Das Plastron ist meist hornfarben bis einfarbig hell und stets ohne
Zeichnung, der Kopf und die Extremitäten sind meist dunkel bis
ganz schwarz und meist nur wenig gefleckt. Ältere Tiere weisen
durch Altersmelanismus manchmal weisse Kopf- und Kieferpartien auf. An
den Hinterfüßen befinden sich in der Regel vier Zehen.
Plastron des Männchens ist zumeist nur schwach bis nicht konkav
gewölbt. Die Männchen besitzen derbere, kräftige
Hinterklauen, zum Einhaken in den weiblichen Plastron bei der Paarung.
Männchen haben einen kräftigeren und längeren Schwanz.
Die Iris ist oft bei Männchen rot gefärbt, bei Weibchen gelb
oder dunkel. Dies ist aber trotz manchmal gegenteiliger Behauptung,
oder in vielen Büchern dargelegt, kein sicheres
Unterscheidungsmerkmal.
Wie der Trivialname schon sagt, kann der Panzer komplett mittels
Scharnier am Kopf- und Schwanzende bei Gefahr verschlossen werden. In
menschlicher Obhut kommt dies aber so gut wie nie vor,
selbstaufgezogene Nachzuchten gehören zu den zahmsten und
neugierigsten Reptilien überhaupt.
Terrapene carolina major wird leider sehr oft mit Terrapene carolina
carolina verwechselt und ich habe schon sehr viele Halter besonders von
hellen Exemplaren dieser Art, überzeugen müssen, keine
Besitzer von T.c.carolina zu sein. Dabei ist die Unterscheidung denkbar
einfach: Das Plastron ist bei T.c.major im Gegensatz zu T.c.c. immer
hell und zeichnungslos! Vom eindeutigen Größenunterschied
noch einmal ganz abgesehen.
Vorkommen:
USA, entlang der Küste des Golfs von Mexiko, Süd-Mississippi,
Süd-Alabama und West-Florida. Die größten Tiere wurden
in einer isolierten Population auf der Insel St.Vincent vor der
Nord-West Küste Floridas gefunden.
Lebensraum:
Feuchtwiesen, Sumpfgebiete, entlang und meist in Bächen und
Gräben. Am stärksten von allen Arten des Carolina-Komplexes
ans Wasser gebunden.
Lebensweise:
Die Tiere nutzen die morgendliche und abendliche Kühle
(und höhere Luftfeuchte), um auf Jagd zu gehen und für andere
Aktivitäten. Sie sind ungeschickte Schwimmer (keine
Schwimmhäute) und laufen auf dem Grund von Gewässern, kommen
aber auch mit tiefen Gewässern gut zurecht. Bei dieser Art findet
die Paarung fast immer im flachen Wasser statt, was bei der Haltung zu
berücksichtigen ist.
Sie lieben warme Sommerregen, da dann zahlreiche Beutetiere zu finden
sind. Sie sind eifrige und geschickte Jäger, die sich von allen
Arten von Insekten und sonstigen Wirbellosen, bis hin zu Wirbeltieren,
wie jungen Mäusen, oder sogar jungen Schlangen ernähren. Sie
machen auf alles Jagd, was sie überwältigen können. Aber
auch pflanzliche Kost gehört zu ihrem Speiseplan dazu.
Wie oft in der Tierwelt zu beobachten, gehören die Beutegreifer
unter den Tieren eher zu den intelligenteren, da sie in der Lage sein
müssen, gewisse Taktiken und Maßnahmen zu ergreifen, um eine
Beute zu erjagen, während das Futter der Pflanzenfresser nicht
wegläuft. Dies dürfte der Grund dafür sein, das
Terrapene zu den faszinierensten Schildkröten überhaupt
gehören, da sie sehr zahm werden, sehr aktiv und
außergewöhnlich flink sind und fast eine persönliche
Beziehung zum Pfleger aufbauen. Darüber hinaus bestechen sie durch
ihre starke Individualität, jedes Tier ist eine ganz eigene
Persönlichkeit mit eigenen Vorlieben, was allgemeine
Haltungsrichtlinien natürlich etwas erschwert und ein wenig
Fingerspitzengefühle beim Halter voraussetzt...
Auch diese Terrapene-Art ist deshalb für Anfänger wenig
geeignet und sie ist vor allem keine Landschildkröte für die
Gartenhaltung ohne geeignete Schutzmassnahmen, insbesondere da sie
aufgrund ihres Herkunftsgebietes eine sehr wärmebedürftige
Art ist, die bei ungeschützter Freilandhaltung schnell erkrankt.
Haltung/Zucht:
Auch diese Terrapene-Art benötigt im Sommer zwingend einen
Freilandaufenthalt, mit entsprechenden technischen Hilfen, um die im
Vergleich zu den südlichen USA zu kühlen Sommer in
Deutschland auszugleichen. In der Übergangszeit und zur Winterruhe
ist dann eine geräumige Terrarienhaltung zu gewährleisten.
Unbedingt gehört zur Grundausstattung eine geräumige
Badegelegenheit und Versteckmöglichkeiten. Als Untergrund
empfiehlt sich stets feucht zu haltende Pinienborke oder ähnliche
Rindenprodukte (z.B. REPTIBARK u.ä.) auch feuchtes Kokossubstrat
ist gut geeignet, verschmutzt aber das Badebecken stärker.
Temperaturen im Sommer tagsüber stets über 23°C. Die
weitere Einrichtung ergibt sich aus der Beschreibung des Lebensraumes.
Tägliches, warmes Übersprühen lieben die Tiere.
Fütterung ist absolut unproblematisch, gefressen wird eigentlich
alles, so dass man eigentlich nur schädliches von geeignetem
unterscheiden und die Menge regulieren muss. Als besonders geeignet
haben sich Schildkrötenpudding, Zophobas, Grillen und Heimchen und
besonders nestjunge Mäuse erwiesen. Dazu gehören
Löwenzahn, Rucola, Salat, diverse Wildkräuter, seltener Obst
und Pilze. Besonders bei Mäusebabies geraten die Terrapene in
einen regelrechten Jagd- und Blutrausch und man muss sehr aufpassen,
dass jedes Tier seine Portion bekommt und sich nicht gegenseitig
verletzt!
Bei dieser Haltung schreiten die Tiere dann recht leicht zur
Fortpflanzung Paarungen finden von Frühjahr bis Herbst statt und
manche Männchen muss man von den Weibchen trennen, da sie zu stark
bedrängen. Von Mai bis Anfang August ist Eiablage-Zeit, es sind
bis zu vier Eiablagen möglich. Nach etwa zwei bis viereinhalb
Monaten (je nach Temperatur) schlüpfen die 26-28 mm großen
Jungtiere. Diese fressen bald kleine Insekten. Die Inkubation bereitet
leider auch heute noch die größte Herausforderung bei der
Haltung in menschlicher Obhut. Das Problem liegt offensichtlich in der
Substrat- und Luftfeuchtigkeit während der Inkubation.
Die Tiere sollten von Ende Dezember bis Ende Februar eine Winterruhe
(nicht -starre!) bei ca. 16°C und abgeschalteter Beleuchtung halten.
Bei guter Pflege erreicht Terrapene das höchste
Schildkröten-Alter nach den Galapagosschildkröten,
nämlich bis 138 Jahre (wie NÖLLERT 1992 belegen konnte).
Text und Bilder von Jens Lindner (Homepage) .
Keine unerlaubte
Vervielfältigung oder Veröffentlichung!
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