Terrapene carolina triunguis (AGASSIZ, 1857)
Die Dreizehen-Dosenschildkröte ist die am
häufigsten
eingeführte und in Deutschland gehaltene Art.
Beschreibung:
Der Carapax ist einfarbig oliv bis hornfarben und erreicht
eine Länge von 11,5 bis 12,5 cm. Das größte je
gefundene Exemplar maß 16,5 cm, dies ist jedoch eine absolute
Ausnahme.
Das Plastron ist meist hornfarben und einfarbig gelb, an den
Vorderbeinen und am Kopf findet man gelbe, rote und orange Flecken,
besonders männliche Tiere können sehr attraktiv gefärbt
sein und gehören zu den farbenprächtigsten
Sumpfschildkröten. An den Hinterfüßen befinden sich in
der Regel drei Zehen, jedoch gibt es auch einige Fälle mit vier
Zehen. Alle anderen Unterarten haben immer vier Zehen. Plastron des
Männchens ist zumeist nur schwach bis nicht konkav gewölbt.
Die Männchen besitzen derbere, kräftige Hinterklauen, zum
Einhaken in den weiblichen Plastron bei der Paarung. Männchen
haben einen kräftigeren und längeren Schwanz. Die Iris ist
oft bei Männchen rot gefärbt, bei Weibchen gelb oder dunkel.
Dies ist aber trotz manchmal gegenteiliger Behauptung, oder in vielen
Büchern dargelegt, kein sicheres Unterscheidungsmerkmal.
Wie der Trivialname schon sagt, kann der Panzer komplett mittels
Scharnier am Kopf- und Schwanzende bei Gefahr verschlossen werden. In
menschlicher Obhut kommt dies aber so gut wie nie vor,
selbstaufgezogene Nachzuchten gehören zu den zahmsten und
neugierigsten Reptilien überhaupt.
Vorkommen:
USA, Ost Texas bis Süd Ost-Kansas, Süd Missouri und
südliches Zentral-Alabama.
Lebensraum:
Waldränder und lichte Wälder, Wiesen, Feuchtwiesen,
Sumpfgebiete, entlang von Bächen und Gräben.
Lebensweise:
Die Tiere nutzen die morgendliche und abendliche Kühle
(und höhere Luftfeuchte), um auf Jagd zu gehen und für andere
Aktivitäten. Sie sind ungeschickte Schwimmer (keine
Schwimmhäute) und laufen auf dem Grund von Gewässern, kommen
aber auch mit tiefen Gewässern gut zurecht. Sie sind
Individualisten, jedes Tier hat eigene, charakteristische
Lebensgewohnheiten und Lebensräume. Einige befinden sich z.B. fast
nur im Wasser, während andere es nie aufsuchen.
Sie lieben warme Sommerregen, da dann zahlreiche Beutetiere zu finden
sind. Sie sind eifrige und geschickte Jäger, die sich von allen
Arten von Insekten und sonstigen Wirbellosen, bis hin zu Wirbeltieren,
wie jungen Mäusen, oder sogar jungen Schlangen ernähren. Sie
machen auf alles Jagd, was sie überwältigen können. Aber
auch pflanzliche Kost gehört zu ihrem Speiseplan dazu, so fressen
sie im Herbst gerne Unmengen von Pilzen, auch giftige und sie lagern
dieses Gift in ihrem Fettgewebe ein, so dass sie selbst giftig werden.
Ich habe die Theorie, dass ihre auffällige Färbung in
gewisser Weise schon eine Warnfärbung für Fressfeinde
darstellt, oder zumindest einen evolutionären Schritt in diese
Richtung.
Wie oft in der Tierwelt zu beobachten, gehören die Beutegreifer
unter den Tieren eher zu den intelligenteren, da sie in der Lage sein
müssen, gewisse Taktiken und Maßnahmen zu ergreifen, um eine
Beute zu erjagen, während das Futter der Pflanzenfresser nicht
wegläuft. Dies dürfte der Grund dafür sein, das
Terrapene zu den faszinierensten Schildkröten überhaupt
gehören, da sie sehr zahm werden, sehr aktiv und
außergewöhnlich flink sind und fast eine persönliche
Beziehung zum Pfleger aufbauen. Darüber hinaus bestechen sie durch
ihre starke Individualität, jedes Tier ist eine ganz eigene
Persönlichkeit mit eigenen Vorlieben, was allgemeine
Haltungsrichtlinien natürlich etwas erschwert und ein wenig
Fingerspitzengefühle beim Halter voraussetzt...
Terrapene sind deshalb für Anfänger wenig geeignet und sie
sind vor allem keine Landschildkröte für die Gartenhaltung,
ohne geeignete Schutzmassnahmen. Sehr schnell kommt es sonst zu
Infekten, besonders für Ohrabszesse und Konjunktividen ist
Terrapene sehr anfällig!
Haltung/Zucht:
Die Art benötigt im Sommer eigentlich zwingend einen
Freilandaufenthalt, mit entsprechenden technischen Hilfen, um die im
Vergleich zu den südlichen USA zu kühlen Sommer in
Deutschland auszugleichen. In der Übergangszeit und zur Winterruhe
ist dann eine geräumige Terrarienhaltung zu gewährleisten.
Unbedingt gehört zur Grundausstattung eine Badegelegenheit und
Versteckmöglichkeiten. Als Untergrund empfiehlt sich stets feucht
zu haltende Pinienborke oder ähnliche Rindenprodukte (z.B.
REPTIBARK u.ä.) auch feuchtes Kokossubstrat ist gut geeignet,
verschmutzt aber das Badebecken stärker.
Temperaturen im Sommer tagsüber stets über 23°C. Die
weitere Einrichtung ergibt sich aus der Beschreibung des Lebensraumes.
Tägliches, warmes Übersprühen lieben die Tiere.
Fütterung ist absolut unproblematisch, gefressen wird eigentlich
alles, so dass man eigentlich nur schädliches von geeignetem
unterscheiden und die Menge regulieren muss. Als besonders geeignet
haben sich Schildkrötenpudding, Zophobas, Grillen und Heimchen und
besonders nestjunge Mäuse erwiesen. Dazu gehören
Löwenzahn, Rucola, Salat, diverse Wildkräuter, seltener Obst
und Pilze. Besonders bei Mäusebabies geraten die Terrapene in
einen regelrechten Jagd- und Blutrausch und man muss sehr aufpassen,
dass jedes Tier seine Portion bekommt und sich nicht gegenseitig
verletzt!
Bei dieser Haltung schreiten die Tiere dann recht leicht zur
Fortpflanzung Paarungen finden von Frühjahr bis Herbst statt und
manche Männchen muss man von den Weibchen trennen, da sie zu stark
bedrängen. Von Mai bis Juni ist Eiablage-Zeit, es sind bis zu vier
Eiablagen möglich. Nach etwa zwei bis viereinhalb Monaten (je nach
Temperatur) schlüpfen die
24-26 mm großen Jungtiere. Diese fressen bald kleine Insekten.
Die Inkubation bereitet leider auch heute noch die größte
Herausforderung bei der Haltung in menschlicher Obhut. Das Problem
liegt offensichtlich in der Substrat- und Luftfeuchtigkeit während
der Inkubation.
Ich hatte in manchen Jahren schon 25 Eier, aber nur ein Jungtier.
Die Tiere sollten von Ende Dezember bis Ende Februar eine Winterruhe
(nicht -starre!) bei ca. 16°C und abgeschalteter Beleuchtung halten.
Bei guter Pflege erreicht Terrapene das höchste
Schildkröten-Alter nach den Galapagosschildkröten,
nämlich bis 138 Jahre (wie NÖLLERT 1992 belegen konnte).
Text und Bilder von Jens Lindner (Homepage) .
Keine unerlaubte
Vervielfältigung oder Veröffentlichung!
|